Laudatio

Sehr geehrte Gäste, verehrte Freunde und Förderer der Galerie „Abstrakte Momente“, lieber Andreas Garbe, lieber Thomas Stephan, herzliche Glückwünsche zum 10 jährigen Jubiläum!

Ich freue mich über und bedanke mich für die Ehre, zu diesem besonderen Ereignis die beiden Künstler vorzustellen, die sich gerade eben noch als Betreiber der Galerie, als Unternehmende in einem schwierigen Fach, als Unternehmer und Geschäftsmänner und Künstler angezeigt haben: Andreas Garbe und Thomas Stephan oder Thomas Stephan und Andreas Garbe.

Mit dieser Wortspielerei möchte Ihnen jetzt schon deutlich machen, dass die Sache eine schwierige ist: gebührt Einem der Vortritt? Oder ist es ganz egal? Und weil meiner Meinung nach das niemand entscheiden darf, der nicht der Ordnung folgen muss, alphabetisch vorzugehen, habe ich mich für einen dritten Weg entschieden, nämlich für den, den das Werk selber vorgibt. Tatsächlich bin ich während meiner Vorbereitungen auf einen Aspekt gestoßen, den ich gern zum Anfang meiner Ausführungen wählen will. Dabei handelt es sich um ein Zitat, dass ich einem kleinen Buch entnommen habe und das geht sinngemäß so: „Wir betrachten das Werk aus unserem Standpunkt heraus- mit der Gesamtheit unserer Gedanken, Erwartungen, Vorurteile und Empfindungen- aber das Werk selbst hat auch einen Standpunkt. Da ist es und es schaut UNS an, fordert heraus und will UNSERE Auseinandersetzung mit ihm!

Lassen wir einen ersten Blick über die Werke streifen empfängt uns eine lebendige Farbigkeit, spüren wir ein Feuerwerk an bunter Energie, hören wir die Symphonie aus Farbklängen und sehen Kompositionen, die die Grenzen aus gegenständlicher und abstrakter Darstellung ausloten. Tatsächlich eint die beiden Künstler u.a. ihre Liebe zur Farbe. Malerei soll den eigenen ästhetischen Ansprüchen folgen, so die Künstler selber. Und es würde auch nicht wundern, wenn in 10 gemeinsamen Jahren, durch gegenseitige Inspirationen und Interaktionen auch ein Konsens zur Handschrift für das Werk selber hergestellt ist. In diesem Punkt aber haben sich die Künstler ihre herrliche Individualität bewahrt, ja, ihre Handschriften vielleicht sogar geschliffen.

Aber folgen Sie mir doch einfach über die Betrachtung der Arbeiten mehr über die Urheberschaft, mehr über die Künstler und ihre Herangehensweise zu erfahren.

Für Thomas Stephan, Jahrgang 1975, muss Farbe immer wieder neue Verbindungen eingehen. So ändern sich die Malgründe, die Techniken, die Materialien; es entstehen Beziehungen mit einem komplexen Eigenleben, die dem Künstler, diesem fragenden Forscher, immer wieder dazu auffordert, seinen Standpunkt, seine Einstellung zu überdenken. Denn das Werk, dieses Bild, wird nicht weniger sein als der Spiegel dessen, was für den eigenen Anspruch erkannt ist: herauszufinden, an welchem Punkt des Schaffensprozesses man selber in maximaler Übereinstimmung mit dem gespiegelten Wesen angekommen ist. So beschreibt es der Künstler selbst: das Werk so lange zu bearbeiten, bis ein Zustand der idealen Kongruenz zwischen Kunst und Künstler hergestellt ist – wenn das, was entsteht, das Seelenbedürfnis nach Harmonie wiedergibt, kann der Entstehungsprozess für den Künstler für beendet erklärt werden.

Thomas Stephan scheint in seinem Schaffen auf der Suche. Und ist es aber auch wieder nicht. Denn die Idee, das emotional-ästhetische Vorbild ist bereits vorhanden. Durch das Spiel mit den Elementen findet eine Standorterforschung statt, die einerseits den künstlerischen Schaffensprozess zulässt und andererseits dem Betrachtenden die Auslotung sämtlicher Möglichkeiten der Interpretation offenlässt. Die persönliche Erneuerung erfolgt durch die Veränderung des Sichtbaren.

In der Ausstellung sehen Sie folgende Werke von Thomas Stephan:

•  Alle Jahre wieder

•  Stranderlebnisse

•  Renaturierung

•  Vorfreude auf den Sommer

•  Wolkenbruch

•  Meine Stadt

•  Tief verwurzelt

•  Externsteine .014

•  Ausschnitte

Bei Andreas Garbe, ebenfalls Jahrgang 1975, folgt die Acrylfarbe dem „roten“ Faden eigener Erlebnisse und Erfahrungen, zumeist auf weiten und ausgedehnten Reisen um den Erdball gesammelt. Landschaften, Naturerscheinungen, Spuren untergegangener Kulturen, Mythen und Geschichten inspirieren den Künstler zur Abstraktion und zur intuitiven Neufiguration der Elemente auf dem Malgrund. Hier gehen sie eine neue Beziehung ein, verweben sich, verbinden sich organisch und erwachen unter einer brillanten und stilsicheren Farbigkeit als eine Interpretation der Wirklichkeit des Künstlers, ohne aber etwas von dem Geheimnisvollen, dem Unbekannten, dem Sagenumwobenen eingebüßt zu haben. Hier wird der Künstler wieder zum Erzähler.

Werke von Andreas Garbe in der Ausstellung:

•  Individuum

•  Algen

•  Frei

•  Inspired by Jim Jim

•  Gegenwart?

•  Striche im korsischen Märchenwald

Verehrte Damen und Herren, als Autodidakten haben sich Andreas Garbe und Thomas Stephan Anfang des neuen Jahrtausends entschieden, ihren Talenten und Begabungen einen Raum zu geben. Sie haben sich damit nicht nur einen Wunsch erfüllt, sondern es geschafft, ihren Traum zu leben!

Mit ihrer Galerie gibt es einen Ort für den, dem die künstlerische Auseinandersetzung mit den als wichtig erachteten Themen ein Bedürfnis ist. Andreas Garbe und Thomas Stephan bringen auf ihrem Weg jeder für sich den Beweis, dass es unterschiedliche Wege und Positionen gibt, Antworten auf persönliche, drängende Fragen zu finden. Damit votieren sie par excellence für eine Vielfalt des spielerisch-ernsthaften Umgangs mit sich selbst und allem, was das ICH umgibt.

Chapeau!

Fühlen Sie sich jetzt herzlich eingeladen, sich von den Werken der beiden Künstler „anschauen“ zu lassen und in den für Sie gelingenden Dialog zu treten J

Ich wünsche Ihnen interessante Perspektiven und einen schönen Abend!

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Presseartikel DNN:

10 Jahre „Galerie abstrakte Momente“ – Die Wurzeln in der Welt

Als Andreas Garbe und Thomas Stephan 2005 ihre gemeinsame Galerie eröffenten, war ihnen klar, dass mit herkömmlichen Konzepten nicht viel zu machen war. Man wollte zwar auf der Höhe der Zeit sein, aber dem Mainstream nicht folgen und sich zum Eigenen bekennen. Beide sind Maler-Autodidakten (geb. 1975 in Dresden) und haben viel voneinander gelernt. Ihr Prinzip aber dabei ist „ihre eigene Kunst“ zu machen, die als solche den Grenzbereich von Gegenstand und Abstrakte abschreitet. Mit kommerzieller Ausrichtung folgen sie ihrer Absicht, besonders junge Menschen mit ihrer Kunst anzusprechen und natürlich auch als Käufer zu gewinnen. Die ausdrucksstarke Malerei zeichnet sich durch eine besondere Farbigkeit aus, die dem abstrakten Expressionismus nahe ist. Das „schnelle Acryl“ nimmt spontan Stimmungen auf, Farbe wird zum wesentlichen Impuls ihrer beider Kunst, immer wieder herrschen auch schrille synthetische Farbklänge wie moderne elektronische Musik. Die zunächst als Produzentengalerie gedachte Einrichtung wurde von beiden erweitert und zeigt vor allem Dresdner Künstler mit Bezug zur Welt und mit „internationalem Background“.
In der Jubiläumsausstellung, die nur den beiden Künstlern vorbehalten ist, zeigt Andreas Garbe ein feuerrotes Bild mit dem Titel „Prometheus“, Etwas versteckt erkennt man den Kopf des antiken Helden und genialen Ingenieurs der Menschheit zusammen mit einer Maya-Pyramide, die im mexikanischen Palenke verborgen im Urwald steht. Der versteckte Kopf mit Verweisen auf antike Stätten ist ein beliebtes Thema seiner Malerei, die abstrakte, symbolische und auch gegenständliche Elemente beinhaltet. Andreas Garbe verarbeitet in seiner Malerei immer wieder Erlebnisse von weiten Reisen und seine Sehnsucht nach Ferne. Landschaften, Naturerscheinungen, Spuren untergegangener Kulturen, Mythen und Geschichten inspirieren den Künstler zur Abstraktion und zur intuitiven Neufiguration der Elemente auf dem Malgrund. Als Sohn eines chilenischen Vaters treibt sich in der Welt herum (z.B. Mexiko, Australien), als suche er dort nach seinen Ursprüngen und Wurzeln. Das Bild „Gegenwart?“ (2015) zeigt die Draufsicht auf eine maritime Landschaft in Lasurtechnik, bei dem das eigentliche Motiv nach und nach verschwindet (die verblassende Erinnerung). Es gehört zu einer Serie von Acrylbildern, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft thematisieren, indem der integrierte Kopf jeweils im Profil, en Face und im Halbprofil zu sehen ist.
Für Thomas Stephan muss Farbe immer wieder neue Verbindungen eingehen. So ändern sich die Malgründe, die Techniken und die Materialien; es entstehen Beziehungen mit einem komplexen Eigenleben. Gegenstand seiner mehr oder weniger abstrakten Bilder sind Wetter- und Lichterscheinungen, wie das Acrylbild „Wolkenbruch“ (2015) oder „Renaturierung“ (2015. In das kakifarbene Grün der Landschaft sind stilllebenartig Metallreifen und Geflechte einbezogen, die eine Allegorie vom Vergehen als natürliches Prinzip darstellen. Immer wieder strebt der Maler in seiner Kunst nach der Übereinstimmung zwischen ästhetischem Anspruch und Realität. Durch das Spiel mit den malerischen Elementen findet eine Standorterforschung statt, die einerseits den künstlerischen Schaffensprozess zulässt und andererseits dem Betrachter die Auslotung sämtlicher Möglichkeiten der Interpretation offenlässt.
Die beiden Galeristen haben im Laufe der Jahre verschiedene Dresdner Künstler zu Ausstellungen eingeladen, wie Torsten Peter, Maya Kühne, den Mexikaner Christian David Schwarz (er besitzt ein eigenes Ateliercafe´in der Neustadt, im Oktober folgt eine Ausstellung zur Maya-Kultur), den Bildhauer Jo Zipfel aus Kannewitz bei Bautzen mit Holzskulpturen, sowie die Malerinnnen Lydia Schade und Yosi Losaij, die von der Galerie vertreten und deren Werke im Online-Verkauf angeboten werden.

Heinz Weißflog

Bis 7. Oktober. Galerie Abstrakte Momente, Hoyerswerdaer Straße 21, 01099 Dresden. Kontakt: 0351/3393959. www.abstrakte-momente.de geöffnet: Mo, Die, Do, Fr 15-19 Uhr, Mi 10-14 Uhr, Sa 10-13 Uhr.